Lutz-Röhrich-Preis 2017 für Lina Sophie Dolfen, Gesonderter Förderpreis für Janin Pisarek

Pressenotiz, September 2017

Der Lutz-Röhrich-Preis geht in diesem Jahr an Lina Sophie Dolfen für ihre Masterarbeit 2016 im Fach Kunstgeschichte der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn mit dem Titel „Die Märchenbilder von Wassily Kandinsky. Zum Phänomen des visuellen Märchens in Kandinskys Frühwerk“.
Wenn man glaubt, alle Themen eines Fachs seien ausgeschöpft: Dem ist nicht so! Frau Dolfen bringt einen fast völlig neuen, eigenständigen, bisher kaum angerissenen Ansatz ins Spiel: Sie interpretiert die frühen Bilder Kandinskys nicht nur als Bilder – und schon gar nicht als Märchenillustrationen – sondern als eigenständige visuelle Märchen. Und sie beweist es scharfsinnig, indem sie die Kategorien des berühmten Märchenforschers Max Lüthi an Kandinskys Kunstwerke anlegt. Ein mutiges Unterfangen. Mutig erscheint auch ihre begründete, immer plausible Kritik an bisherigen kunstgeschichtlichen Interpretationen. Sich gegen etablierte Meinungen zu stellen, ist für eine Studentin eher außergewöhnlich.
Frau Dolfens echte Forschungsarbeit bereichert das Thema „Märchen“ um einen weiteren, neuen Blickpunkt. Sie hat den Preis wirklich verdient!
Für die Märchen-Stiftung Walter Kahn: Dr. Rainer Wehse (Reichertshausen), Jurymitglied

Der Gesonderte Förderpreis wird Janin Pisarek (Universität Jena; seit Anfang 2017 Keramikmuseum Bürgel) für ihre Masterarbeit 2016 „‘Wer hat Angst vorm bösen Wolf?‘ Wolf und Werwolf als Sagengestalten und im deutschen Volksglauben unter Einbezug der Rückkehr des Wolfes in Deutschland.“ verliehen.
Janin Pisarek greift ein derzeit in Westeuropa aktuelles und kontrovers diskutiertes Thema auf. Die Debatten zeugen von einer Faszination, die eine eigentümliche Mischung von Bedrohung, Angst und Lust am Wolf darstellt. Mit ihrer Untersuchung begibt sich Frau Pisarek auf die Suche nach den narrativen Vorläufern der Auseinandersetzungen mit dem Wolf und analysiert Mythen, Märchen und Sagen.
Für die Märchen-Stiftung Walter Kahn: Dr. Susanne Hose (Bautzen), Kuratoriumsmitglied

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Europäischer Märchenpreis 2017 für Dr.Nicole Belmont und Alice Joisten

Im Jahr 2017 werden zwei Französinnen mit dem Europäischen Märchenpreis der Märchen-Stiftung Walter Kahn geehrt:

Dr. Nicole Belmont (*20.11.1931)

studierte und promovierte bei dem großen Ethnologen Claude Lévi-Strauss und darf heute als führende Vertreterin der französischen Märchenforschung gelten. Sie war Forscherin am Laboratoire d‘ Anthropologie Sociale und lehrte an der Ecole Pratique des Hautes Etudes sowie in leitender Stelle an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales. Jahrzehntelang war sie eine der tragenden Säulen im Redaktionskomitee der Zeitschrift „Cahiers de littérature orale“. Sie gibt ferner die Reihe „Le Langage des contes“ heraus, in der Studien und Erzähltexte aus unterschiedlichen Kulturen veröffentlicht werden. Das wohl bedeutendste Buch aus Nicole Belmonts Feder, „Poétique du conte“ (1999), befasst sich mit der Poetik und Psychologie des Märchens und dem Verhältnis von Mythos und Märchen. Im Mittelpunkt von Belmonts Märcheninterpretationen stehen Kinderfiguren (z. B. der Däumling) und Mädchen (vgl. auch „Filles persécutées, filles mutilées, femmes“, 2001), ganz besonders auch weibliche und männliche Aschenputtelgestalten (vgl. auch „Sous la cendre“, 2007, mit E. Lemirre).
Belmonts Veröffentlichungen zur Wissenschaftsgeschichte (z. B. „Paroles païennes“, 1986; „Aux sources de l’ethnologie française“, 1995) geben Einblick in das Leben des Märchens in der traditionellen ländlichen Gesellschaft, die umfassenden französischen Sammelbewegungen und die Leistungen herausragender Sammler. Ein besonderes Verdienst kommt Nicole Belmont auch als einer Vermittlerin zwischen alter und neuer Erzählkunst zu, die ihr Wissen über traditionelle Erzählgemeinschaften im alten Frankreich und die mündliche und schriftliche Überlieferungsgeschichte des Märchens an die professionellen Erzählerinnen und Erzähler des sogenannten „Renouveau du conte“ und deren Publikum weitergibt.

Alice Joisten (*05.05.1930),

von Haus aus Musiklehrerin, hat das Werk ihres früh verstorbenen Ehemanns, des bedeutenden Sammlers Charles Joisten (1936–1981), in beispielhafter Weise und jahrelanger unermüdlicher Arbeit zugänglich gemacht. Charles Joisten hatte im französischen Alpenraum über drei Jahrzehnte hinweg Märchen und Sagen zusammengetragen. Nach seinem plötzlichen Tod begann Alice Joisten, diese zum größten Teil unveröffentlichten Aufzeichnungen zu digitalisieren und nach dem von Charles Joisten entwickelten geographischen und thematischen System zu ordnen; bis 2005 führte sie außerdem die von ihm gegründete, ethnologisch-linguistisch-historisch orientierte Zeitschrift „Le monde alpin et rhodanien“ weiter. 1996 begann die Publikationsphase der von Alice Joisten für die Nachwelt geretteten Materialien: Sie veröffentlichte den dritten Band der Märchen aus dem Dauphiné („Contes populaires du Dauphiné“, 1996), zwei Bände Märchen aus Savoyen („Contes populaires de Savoie“, 1999/2000) und fünf Bände Sagen („Etres fantastiques du Dauphiné“, 2005/2006/2007; „Etres fantastiques de Savoie“, 2009/2010; alle mit Motivklassifikationen von Nicolas Abry). Sie hat ferner Charles Joistens Studien über Hexen („Cinq figures de magiciens en Dauphiné et Savoie“, 1986) und Werwölfe („Les loups-garous en Savoie et Dauphiné“, 1992; zusammen mit dem Historiker Robert Chanaud) fertiggestellt sowie, z. T. in Zusammenarbeit mit Christian Abry, eine Reihe von Aufsätzen publiziert. Allein schon die Titel beschwören die geheimnisvoll-phantastischen und oft angstbesetzten Erzählwelten der traditionellen mündlichen Überlieferung des Alpenraums herauf. Hier nur eine kleine Auswahl, in Übersetzung zitiert: „Von den Parzen zu den Feen und anderen Wildgeistern“, 1982; „Teufels- und Hexenglauben im Tal von Freissinières“, 1987; „Das Gespräch böser Geister im Gebirge“, 1988; „Die schwarze Sage von der Alpe in Lens“, 1992; „Gargantua im Département Drôme“, 1992; „König Herodes als wilder Jäger in Savoyen und im Dauphiné“, 2001; „Melusines Kusinen in den Alpen“, 2002; „Mündliche Überlieferungen zum wandernden Juden im Dauphiné und Savoyen“, 2004.

Die Preisverleihung findet im Rahmen der Märchentage 2017 am 28. September 2017 um 18:00 Uhr im historischen Schelfenhaus in Volkach statt.

Pressemitteilung, August 2017

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Märchentage 2017

2017 widmet die Märchen-Stiftung Walter Kahn ihre alljährlichen MÄRCHENTAGE dem ThemaZwischen Arthaus und Traumfabrik: Der neue Märchenfilm und das neue Filmmärchen“.

Die Tagung findet vom 27. bis 29. September 2017 im Gästehaus der Abtei Münsterschwarzach statt.

„Märchen sind rebellierende und wache Geschichten, die ältesten utopischen Erzählungen“: Was der Philosoph Ernst Bloch einst über die Literaturgattung Märchen schrieb, ist auch für die Betrachtung des Märchenfilms ein Bezugspunkt. Denn dieses älteste Filmgenre, das in Georges Méliès einen seiner Väter fand, erzählt in immer wieder neuen Adaptionen und Formen Märchengeschichte(n) fort. Sei es als Reimport aus Hollywoods Traumfabrik, im Fernsehformat wie den ARD- und ZDF-Weihnachtsmärchen, im US-amerikanischen Mystery-Crime-Serienformat oder als Märchen-Parodie für TV oder Kinoleinwand. Diese kleine Auswahl zeigt, dass medial adaptierte Märchen – in welchen erzählerischen Transformationen auch immer – für verschiedene Zielgruppen konzipiert werden, unterschiedliche Medienformate bedienen, Erzählkonventionen und -schemata aufnehmen, hybridisieren und parodistisch brechen. Im Kontext der Tagung sollen neuere Verfilmungen von Literatur-, Medienwissenschaftlern und Filmschaffenden in den Blick genommen werden und auf die spezifischen Tradierungen und filmästhetischen Inszenierungen von Erzählstoffen bzw. märchenhaften Elementen in unterschiedlichen Medienformate hinterfragt werden.

Wir freuen uns auf zahlreiche, interessierte Teilnehmer.

Programm

Das vollständige Programm entnehmen Sie bitte dem Flyer zur Tagung.

Anmeldung

Anmeldungen sind bis zum 1. September 2017 an die Geschäftsstelle der Stiftung erbeten, gern auch per E-Mail an: maerchentage2017@maerchen-stiftung.de

Kursgebühr

240 € für Seminargebühr, Unterkunft und Verpflegung.
135 € für Seminargebühr und Verpflegung, ohne ÜN.
85 € für Studierende.

Veranstalter
Märchen-Stiftung Walter Kahn, Postfach 1130, 97326 Volkach,
Tel. +49 9381 5764490; Fax +49 9381 5764491

Organisation
Die inhaltliche Konzeption liegt bei Prof. Dr. Ute Dettmar und Dr. Claudia Maria Pecher vom Institut für Jugendbuchforschung der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt a. M. in Zusammenarbeit mit dem Kuratoriumsmitglied der Märchen-Stiftung Walter Kahn Prof Dr. Siegfried Becker vom Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft der Philipps-Universität Marburg.

Link zur Pressemitteilung.

Lutz-Röhrich-Preis 2016 für Ute Hager, Gesonderter Förderpreis für Florian Schütz

Pressenotiz, September 2016

Der Lutz-Röhrich-Preis geht 2016 an Ute Hager (Universität Passau) für ihre Masterarbeit 2015 mit dem Titel „Mein Haus ist draußen im dunklen Wald. Eine literaturgeographische Betrachtung der Wälder und Bäume in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm.“
Seit jeher war der Wald – einschließlich einzelner Bäume – im Märchen ein Ort, in dem Verborgenes geschieht. Er ist ein Raum gleichermaßen des Grauens und der Gefahr wie auch wesentlicher Begegnungen, Bereicherungen und Wandlungen. Nach hinführenden Details zur Erfolgsgeschichte der Kinder- und Hausmärchen wendet sich die Verfasserin – und das macht das Besondere ihrer Masterarbeit aus – einer literaturgeographischen Betrachtung zu, indem sie an etwa sechzig Wald- und vierzig Baummärchen der KHM mit detaillierten Kategorien seltsame Waldbewohner, verschiedenste Ereignisse und Verhaltensweisen analysiert. Ihr neuer Ansatz liegt als ‚spatial turn‘ in den Kulturwissenschaften: Er stellt einen Paradigmenwechsel in den Kultur- und Sozialwissenschaften dar und behandelt in dieser Arbeit explizit den literarisch – geographischen Raum als kulturelle Größe, die über die realen Erscheinungen hinaus auch Ergebnisse sozialer Beziehungen thematisiert. Die theoretisch gut reflektierte Studie verrät Mut zu einem neuen Ansatz im Rahmen einer interdisziplinären Betrachtungsweise, die von spezifischen Gestalten und Wirkungen erzählt und damit einen interessanten Perspektivenwechsel ermöglicht.

Den Gesonderten Förderpreis erhält Florian Schütz (Universität Jena) für seine Masterarbeit 2014 mit dem Thema: „Zauberfüchse zwischen Bits und Bytes. Wie viel narratives Erbe steckt in Videospielen?“
Vermutlich macht sich kaum ein Nutzer von Videospielen Gedanken über den kulturellen Hintergrund der virtuellen Figuren. Auf der anderen Seite beäugt die traditionelle Erzählforschung dieses neue Terrain eher skeptisch. Diese beiden Enden bringt nun Florian Schütz in seiner Masterarbeit mit dem Thema: „Zauberfüchse zwischen Bits und Bytes. Wie viel narratives Erbe steckt in Videospielen?“ zusammen. Auf überzeugende Weise stellt er dar, was den singulären neunschwänzigen Fuchs aus einem Tiermärchen der Brüder Grimm mit seinen zahlreichen fernöstlichen Artgenossen verbindet, wofür der junge Volkskundler in diesem Jahr mit dem Gesonderten Förderpreis der Märchen-Stiftung Walter Kahn ausgezeichnet wird.

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Europäischer Märchenpreis 2016 für Prof. Dr. Hermann Bausinger

Pressenotiz, April 2016
Prof. Dr. Hermann Bausinger (Tübingen) wird in diesem Jahr mit dem Europäischen Märchenpreis der Märchen-Stiftung Walter Kahn geehrt. Dieser Preis zeichnet eine lebenslange Leistung in Sachen Erzähl-und Märchenforschung aus und ist mit 5.000  € dotiert. Die Preisverleihung wird am 13. Oktober 2016 um 18:00 Uhr im historischen Schelfenhaus in Volkach einen festlichen Rahmen finden.

Der Preisträger ist weit über die Fachgrenzen hinaus bekannt. Als Germanist und Volkskundler waren seine wissenschaftlichen Anfänge auf der Nahtstelle zwischen diesen beiden Disziplinen angesiedelt. Gerade die Erzählforschung verdankt ihm überaus wichtige Bücher und größere Abhandlungen. Den Auftakt machte 1952 „Lebendiges Erzählen“, es folgten Studien wie „Formen der Volkspoesie“ (1968 ff.), „Redeweisen“ (1990), das „Buch der Märchen“ (1995), „Über das Hören“ (2. Aufl . 1998), oder „Märchen – Phantasie und Wirklichkeit“ (zuerst 1987).
Vielleicht noch wichtiger sind seine zahlreichen Aufsätze, etwa der zu „Aschenputtel“
oder unlängst ein weiterer zu „Märchen und Lüge“ (Schriftreihe Ringvorlesungen der Märchen-Stiftung Walter Kahn), sowie seine brillanten Beiträge zu vielen Festschriften. Bausingers Vorträge bei der Europäischen Märchengesellschaft (etwa die aus der Karlshafener Zeit) sind unvergessen. Auch außerhalb der Fachwelt haben seine Bücher große Erfolge und viele Neuaufl agen verzeichnen können, nicht zuletzt seine bahnbrechende Habilschrift „Volkskultur in der technischen Welt“ (1986).
Bausingers literaturwissenschaftliche Annäherungen an J.P. Hebel und F.T. Vischer sind längst Klassiker für die Generation der gegenwärtigen Germanistik-Studierenden (Kunst- versus Volksmärchen). Selbst wenn er alltagskulturanalytische Bestseller schrieb (wie 2011 „Wie ich Günther Jauch schaffte“, oder 2000 „Typisch deutsch“ und unlängst „Ergebnisgesellschaft“) sind das gleichsam Fußnoten zur historisch vergleichenden Erzählforschung. Bausinger hat eben nicht nur die Tübinger Schule der Empirischen Kulturwissenschaft begründet und überhaupt erst konzipiert, sondern immer auch die narrativen Genres und ihre Kontexte im Blick behalten.

Mit seiner Habilschrift Volkskultur in der technischen Welt leitete er einen Paradigmenwechsel zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit des Faches Volkskunde ein, einen „Abschied vom Volksleben“ und vom „Getümele“ mancher Heimat- und Brauchfanatiker. Er war der Erste, der für eine gegenwartsbezogene Alltagskulturforschung  plädierte, die auch das sog. alltägliche Erzählen einbezieht. Seine Schüler, unter ihnen etliche inzwischen Lehrstuhlinhaber an in- und ausländischen Universitäten, haben seine Anregungen aufgegriffen und weitertradiert. Bausinger gilt als einer der führenden Köpfe der deutschen Nachkriegsvolkskunde und ist als solcher nicht nur europa- sondern weltweit sehr renommiert. Gerade arbeitet der Unentwegte an seinem nächsten Buch…

Bausingers enge Bindung an die Erzählforschung zeigt sich auch in der jahrzehntelangen Mitherausgabe der berühmten Enzyklopädie des Märchens in Göttingen, für die er nicht weniger als 50 Artikel geschrieben hat (grundlegend etwa „Requisitverschiebung“, oder „Alltägliches Erzählen“). Unter seiner Ägide sind in Tübingen hervorragende studentische Abschlussarbeiten zur Märchenforschung geschrieben worden, einige wurden zum Lutz-Röhrich-Preis der Stiftung eingereicht. Er hat viele größere Preise bekommen: etwa den
Brüder-Grimm-Preis der Universität Marburg, den Ludwig-Uhland-Preis, den Justinus-Kerner-Preis und die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg.

PDF-Download: Pressemitteilung: Europäischer Märchenpreis 2016

Der Lutz-Röhrich-Preis 2015 für Caroline Hennen, Anerkennungspreis für Annika Regina Nitschke

Pressenotiz vom 03.08.2015

Foto Hennen verkleinertDer Lutz-Röhrich-Preis geht in diesem Jahr an Caroline Hennen (Universität Bonn). Sie hat sich in ihrer Examensarbeit „Märchenraum als Raumpraktik“ mit der Raumerfahrung im Märchen auseinandergesetzt und untersucht darin, Diskurse eines spatial turn in den Kulturwissenschaften rezipierend, Michel de Certeau‘s Raumtheorie in der Märchenverfilmung „Snow White and the Huntsman“ – ein spannender Zugang, und die theoretische Rahmung ist mit hohem Anspruch und auf hohem Niveau eingelöst worden. Frau Hennen konnte hier ihre Studienfächer – Germanistik mit vergleichender Literatur- und Kulturwissenschaft sowie Kulturanthropologie/Volkskunde – produktiv verbinden und für eine sorgfältige medienwissenschaftliche Filmanalyse und reflexive raumtheoretische Deutung nutzen. Ihre Analyse kann überzeugen; es ist eine die Märchenforschung, nicht nur zu filmischen Märchenadaptionen, sondern auch darüber hinaus durchaus weiterführende Studie.

Bild_Annika Nitschke-Anerkenn.Preis 2015Den Anerkennungspreis erhält Annika Regina Nitschke (Universität Konstanz) für ihre Wissenschaftliche Arbeit mit dem Thema: „Und wenn sie nicht gestorben ist …
Die Schneewittchenfigur und ihre Adaptionen.“ In außergewöhnlich nuancierter Weise zeichnet Annika Nitschke ein Bild der Schneewittchenfigur in ihrer wechselnden Figurenkonstallation. Es gelingt der Verfasserin in einem historisch vergleichenden Vorgehen, im Sinne des Historikers Robert Darton in Märchentexten und deren filmischer Bearbeitung die Situation der Frauenfiguren als eine Art sozialhistorischer Quelle zu sehen, um auf diese Weise auf jeweils herrschende Vorstellungen von Weiblichkeit zu schließen – ein bemerkenswertes Vorgehen.

PDF-Download: Pressemitteilung LRP + ANK 2015

Pressemitteilung Märchentage 2015

Pressenotiz vom 08.05.2015

hier geht es zur Pressemitteilung Märchentage 2015

Die Märchen-Stiftung Walter Kahn veranstaltet anlässlich ihres 30-jährigen Jubiläums in Zusammenarbeit mit der Akademie Remscheid für Kulturelle Bildung e.V., dem Verein Erzählkunst e.V. und dem Verband der Erzählerinnen und Erzähler e.V. in Münsterschwarzach eine Tagung zum Thema »Erzählen und kulturelle Bildung – Modelle, Konzepte, Utopien.« Dies ist der Beginn eines Tagungszyklus, der vom 2. bis 4.
Mai 2016 an der Akademie Remscheid für Kulturelle Bildung e.V. fortgesetzt wird.

Seit ca. 10 Jahren gibt es deutschlandweit Langzeitprojekte an (Grund)Schulen und Kitas, in denen professionelle ErzählerInnen für mind. 1 Jahr internationale Märchen und Mythen frei erzählen – nicht vorlesen. Die ‚digital natives‘ hängen fasziniert an den Lippen der ErzählerInnen, die ohne jede medialen Hilfsmittel die abenteuerlichsten Geschichten in den Köpfen der Kinder entstehen lassen. Das ist ‚Kino im Kopf‘ – inszeniert allein über Sprache, Gesten, Mimik der ErzählerInnen. Die Rückmeldungen der PädagogInnen und die professionelle Evaluation dieser Projekte belegen auf eindrucksvolle Weise, wie sich durch das lebendige Erzählen der Sprachschatz der Kinder (vor allem der Kinder mit Migrationshintergrund) erweitert, wie sie Poesie als Schlüssel zur Welt erleben, wie ihre Phantasie und Kommunikationsfähigkeit wächst, wie sich Empathie, soziale Verantwortung und Selbstwertgefühl entwickeln.

Die Gestalter dieser Projekte werden ihre Erfahrungen während eines Doppel-Symposions diskutieren. Außerdem werden einschlägige wissenschaftliche Forschungsergebnisse vorgestellt. Ziel ist u.a. ein Memorandum an die Bildungspolitiker, um damit einen Anstoß zu geben, das Erzählen als unverzichtbaren Bestandteil der kulturellen Bildung im Schul- und Kita-Alltag und in der Ausbildung der PädagogInnen zu verankern.

Symposion I: 23.-25.09.2015 in Münsterschwarzach (gefördert durch die Märchen-Stiftung
Walter Kahn) zum Erzählen in Kita, Schule und Lehramtsausbildung
Symposion II: 02.-04.05.2016 Akademie Remscheid zum Erzählen im soziokulturellen Raum, speziell für Erwachsene

Das Symposion wendet sich an (Sozial)PädagogInnen, HochschullehrerInnen, ErzählerInnen, Bildungsträger, Fachleute und alle am Erzählen Interessierte.

Europäischer Märchenpreis 2015 für Prof. Dr. Kristin Wardetzky

kristin-wardetzkyPressenotiz vom 26.09.2014
Die 1942 geborene Wissenschaftlerin hat ihr Studium der Germanistik, Anglistik und Pädagogischen Psychologie in Jena und Leipzig absolviert. Von 1970 – 1991 wirkte sie als Theaterpädagogin am Theater der Freundschaft in Berlin, legte ihre Promotion an der Humboldt-Universität Berlin ab und wurde 1992 als Professorin an die Fachhochschule Darmstadt berufen; ab 1993 lehrte sie am Institut für Theaterpädagogik der UDK Berlin.

Kristin Wardetzky hat zahlreiche Veröffentlichungen zum Kinder- und Jugendtheater, zur Kinder- und Jugendliteratur sowie empirische und theoretische Untersuchungen zur kindlichen Märchenrezeption vorgelegt. Am 11. Februar 2015 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz für ihre umfangreiche wissenschaftliche Arbeit und ihren herausragenden, ehrenamtlichen Einsatz für die Verbreitung des künstlerischen Erzählens. Die Ehrung mit dem Europäischen Märchenpreis der Stiftung gilt vor allem ihrem engagierten Einsatz, die Grimm’schen Märchen, die Volksmärchen allgemein und klassische Erzählstoffe aus der europäischen Mythologie in ihrer Wirkungsmacht des Erzählens darzustellen.

Die Märchen-Stiftung Walter Kahn will nicht nur Grundlagenforschung fördern, sondern auch rezeptionsorientierte Forschung unterstützen. Dies ist ganz im Sinne des Stifters Walter Kahn. „Die letzte Bedeutung der Wissenschaft bestehe ja schließlich doch in ihrer Anwendung auf das Leben“ sagte Max Planck der Vossischen Zeitung. Kristin Wardetzkys Forschungen gelten der Rezeption von Märchen und der Frage “wie aus der Erkenntnis ein Gewinn“ wird (Peter Gruss, Max Planck Gesellschaft). In langfristig angelegten Schulprojekten in Berliner Brennpunktschulen („Sprachlos?“ und „ErzählZeit“) hat sie beeindruckend zeigen können, welche innovativen sprachfördernden, sprachbildenden und integrativen Kräfte, gerade auch für Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache, im lebendigen Erzählen, wirksam werden.

Der Europäische Märchenpreis wird in einem Festakt am 24. September 2015 im Rahmen der jährlich stattfindenden Märchentage der Märchen-Stiftung in Münsterschwarzach verliehen.

PDF-Download: Pressemitteilung EMP 2015

Märchenillustrationsstipendium 2014 an Julia Beutling

Pressenotiz vom 22.9.2014

Seit 2014 konnte der Nachwuchspreis Illustration durch die Mediengruppe Pressedruck ausgebaut werden. Der Sonderpreis Märchenbilderbuch wird im Rahmen eines Stipendiums in Höhe von 1.250 Euro vergeben.

Die Überreichung des Nachwuchspreises Illustration sowie des Märchenstipendiums 2014, gestiftet von der Märchen-Stiftung Walter Kahn, findet am 8. Oktober 2014, ab 16:30 Uhr im Kinderbuchzentrum in Halle 3.0/ K 137 auf der Frankfurter Buchmesse mit musikalischem Empfang der Mark Trommler Band statt. Geladen sind alle Illustrations- und Bilderbuchfreunde. Das Stipendium wird in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Buchmesse und dem Börsenblatt für den deutschen Buchhandel vergeben.

Julia Beutling: Von den Fischer un siine Fru.
Bremen: Carl Schünemann Verlag 2013,
ISBN 978-3-944552-04-0.

Basierend auf dem plattdeutschen Text der Grimm’schen Erstausgabe der „Kinder- und Hausmärchen“ von 1812 setzt Julia Beutling die immer maßloseren Wünsche der Fischersfrau ausdrucksstark ins Bild und
schafft einen kontrastreichen Spannungsbogen zu der anfangs noch lieblichen, dann immer bedrohlicher werdenden Landschaft, die sich zum furiosen Weltuntergangsszenario ausweitet. Das Ende jener parabolischen Erzählung ist gleichermaßen ein Anfang, den die Künstlerin auf sehr eigene Weise zu interpretieren versteht – panta rhei! („Alles fließt!“).

Julia Beutling wurde am 26.12.1986 in Berlin geboren. Sie studierte von 2007 bis 2014 an der Kunsthochschule Berlin Weißensee. Ihr Studium der Visuellen Kommunikation beendete sie mit Diplomarbeiten über Tierversuche und vegane Bildkommunikation. Seit 2011 arbeitet sie als freiberufliche Illustratorin und Grafikerin für den Carl Schünemann Verlag, die Zeitschrift
cinearte XL, den Schacks Verlag, Fixpunkt e.V. und das Naturerbe Zentrum Rügen. Ihre Vorliebe gilt dem nachhaltigen Erzählen ökologischer und sozialer Themen in Bildern.
(www.juliabeutling.de)