Ankündigung der Märchentage 2020

Vom 16. – 18. September 2020 lädt die Märchen-Stiftung Walter Kahn zu ihren alljährlichen Märchentagen zum Thema
Märchen und Migration“ ins Gästehaus der Abtei Münsterschwarzach ein.

Märchen sind nationales und weltweites Kulturerbe. Bevor sie in Büchern fixiert wurden, waren essentielle Ingredienzien dieser Gattung (Motive und –ketten, Figurenkonstellationen, paradigmatische Handlungsverläufe) auf Wanderschaft. Ihre Überlebensfähigkeit war und ist gebunden an ihre Fähigkeit, sich in jeweils neue Kulturen zu integrieren und – im Zusammenspiel von Adaption und Akkomodation, also wechselseitiger Befruchtung – ihre jeweilige Eigenständigkeit herauszubilden. Märchen sind im Bereich der Literatur Pioniere der Migration. Außer der Fabel gibt es wohl keine andere literarische Gattung, die in gleicher Weise durch Migrationsbewegungen bestimmt ist.

Die Tagung will den Anstoß geben, das Märchen als Resultat länderübergreifender Transformationsprozesse zu analysieren, und sie ist ein Versuch, Märchen im Lichte aktueller Migrationsbewegungen neu zu erkunden.

Die Reichweite der Themenstellung bedarf der Eingrenzung. Eine Möglichkeit besteht darin, den Begriff der Migration im Rahmen aktueller Flüchtlingsbewegungen zu betrachten und sich auf die Märchenschätze jener Kulturen zu beschränken, aus denen die Mehrheit der Geflüchteten seit 2015 nach Deutschland kommen – also auf den arabisch/persischen und afrikanischen Raum. Durch diese Fokussierung kann das universelle Thema ‚Märchen und Migration‘ sowohl volkskundlich/komparatistisch/sozialhistorisch vertieft als auch in seiner politische Relevanz akzentuiert werden.

Damit ergibt sich die Möglichkeit,

  • unsere nationale narrative Kultur als ein hybrides Gebilde zu betrachten, das seine Spezifik auch durch den Austausch mit fremden Kulturen gewonnen hat,
  • Türen zu öffnen zum Verständnis ‚des Anderen‘, des ‚Fremden‘, d.h. durch die Analyse und Reflexion von narrativen Zeugnissen aus der kulturellen Mitgift der Geflüchteten unseren eigenen Horizont zu erweitern und (Vor)urteile kritisch zu hinterfragen,
  • Praxisbeispiele vorzustellen, in denen über das Märchenerzählen mit Kindern und Erwachsenen der wechselseitige Kulturtransfer erfolgreich realisiert werden kann.

Ergänzt werden die theoretischen Beiträge durch interaktive/dialogische Zwischenspiele. Professionelle ErzählerInnen aus der Türkei, aus Syrien und dem Iran werden in deutscher Sprache Märchen erzählen, in denen Wandermotive eine tragende Rolle spielen. Die Zuhörenden sind aufgefordert, mit ihren Assoziationen auf diese Präsentation zu reagieren. Sie werden damit aktiv in die Auseinandersetzung mit dem Thema einbezogen.

Das ausführliche Programm, sowie die Anmeldemodalitäten werden zeitnah bekannt gegeben.

Veranstalter
Märchen-Stiftung Walter Kahn, Postfach 1130, 97326 Volkach,
Tel. +49 9381 5764490; Fax +49 9381 5764491

Organisation
Die inhaltliche Konzeption liegt bei Prof. Dr. Kristin Wardetzky (Berlin).

Link zur Pressemitteilung.